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Über Heike Kellner-Rauch

Heike Kellner-Rauch, systemisch-integrative Supervisorin und NLP-Coach aus Bamberg

Angst!

Sich einfach nur die Decke über den Kopf ziehen – das scheint zur Zeit sehr verlockend. Die Bilder von Tod und Zerstörung nicht mehr sehen müssen. Die Hassparolen nicht mehr hören müssen. Die eigene Sorge und Ohnmacht nicht mehr spüren zu müssen.

Immer öfter kommt mir meine facebook-Timeline unwirklich vor: Auf der einen Seite die Nachrichten, die voll sind von Terror und Gewalt – und zeitgleich eine unglaubliche Menge von Glücksverheißungen, die Aufforderung das eigene Potential zu entwickeln (und dann wird alles! gut, ach was: nicht nur gut – perfekt, sorgenfrei, traumhaft), da lese ich von einem „Recht auf gute Gefühle“, das (wohl motivierend gemeinte) Postulat die traurigen Seiten des Lebens zu transformieren und „einfach glücklich zu sein“. Die hübschen Bilder vom Latte im Café mischen sich zwischen die verstörenden Bilder von zerstörten Städten und Polizeiabsprerrungen. Die unglaublich guten Ratschläge (autsch!) sich doch „wirklich mal gut zu entspannen“ mit den zynischen Fragen, die der Kanzlerin unglaublich un-subtil, eine persönliche Schuld an dem was ist unterstellen. Voll das Leben?

Mir erscheint es immer schwieriger in die hysterischen „Gespräche“ über die deutsche Gesellschaft mit ihrem angeblichen durch die Präsenz der Flüchtlinge hervorgerufenen Sicherheitsproblem, Ruhe, Wohlwollen und Besonnenheit einzubringen. Das kurzatmige und kurzdenkende „Angst!“-Sprech ruft mich zum Widerspruch – und lässt mich immer öfter mit dem Gefühl zurück, hemmungslos naiv zu sein und einfach keine Ahnung zu haben, von dem was „wirklich los ist“. Ich komme – auch bei ansich ganz vernünftigen Menschen – nicht mehr an mit differenzierten und differenzierenden Argumenten.

Die verbalen Brandstifter machen mir Angst, die Politiker, die aus welchen Gründen auch immer (und ich bin mir nicht sicher, dass es einfach nur Dummheit ist) mit ihren kurzen knackigen Statements zündeln und ein Programm des Misstrauens, der Abgrenzung, der klaren Schuldzuweisungen ausrufen. Eigentlich macht mir das nicht nur Angst. Ich finde es widerlich, ekelerregend – zum Kotzen!

Einfach wieder ins Bett, die Decke über den Kopf ziehen und warten, bis es vorbei ist.

Verlockender Gedanke.

Alternativ: Als Coach auf den Zug aufspringen und „Perspektive bieten“, die Menschen daran erinnern, dass sie selbst bestimmen, ob sie traurig sein wollen oder fröhlich. Das Unangenehme reframen, die „hinderlichen Glaubenssätze“ bearbeiten und transformieren. Dabei die Toten und die zerbombten Städte ausblenden. Den Menschen, die ich dann Kunden nenne, beim Rückzug ins Private zu helfen. Den Markt zu nutzen, der entsteht durch die Meldungen von Gewalt, Terror und Krieg, die zum Gefühl von Ohnmacht und Verzweiflung und Angst führen. Ich könnte ihnen eine Schwäche unterstellen, um sie dann stark zu machen.

Ich könnte aufhören, von sozialer Gerechtigkeit zu sprechen, von globaler Verantwortung und dem Gewolltsein eines jeden Menschen.

Kann man so machen. Ist dann halt scheiße.

Denn: Ich weigere mich, die Überzeugung zu teilen, dass jeder Mensch immer und zu jeder Zeit ein Recht auf gute Gefühle hat.

Menschen haben das Recht auf Leben in Freiheit und Sicherheit. Das Recht auf Unterstützung und Asyl, auf Bildung und auf Teilhabe. Und Ja!: ich wünsche jedem Menschen glückliche Momente, die Erfahrung geliebt zu sein und zu lieben, bitte gerne ganz viel das Erleben von Lebendigkeit. Wenn’s nach mir geht, so oft er will und es braucht. Na klar! Ich selbst strahle auch lieber mit der Sonne um die Wette, als dass ich weine und mich vor Trauerschmerz krümme. Aber: Ein Recht habe ich darauf nicht. Das Leben funktioniert so nicht! Die Erfahrung von Ohnmacht, Trauer und Angst ist genau so normal und wichtig, wie die Erfahrung gestalten zu können, zu lieben und mich sicher zu fühlen.

Und deshalb gibt es überhaupt keinen wirklich guten Grund, die Decke über den Kopf zu ziehen und abzuwarten, dass das Schlimme vorbei ist. Jede Menge Anlässe dafür, ja, aber keinen guten Grund.

Ein kluger Mensch hat mir dieses Jahr einen grandiosen Satz ins Hirn und in die Seele gepflanzt:

Verlernen wir die Angst!

Umso mehr ich mit diesem Satz lebe, umso mehr Kraft gibt er mir. Und auch klar: Es geht nicht darum, die gute Vorsicht, die Umsicht, zu verlernen. Sie schützt und bewahrt vor unsinniger Gefahr. Angst ist in gewisser Hinsicht etwas Wichtiges und Wunderbares – von Rilke stammt glaube ich der Satz , „Unsere tiefsten Ängste sind wie Drachen, die die inneren Schatzkammern bewachen“. Es geht da, meine ich, in einem ersten Schritt vielmehr darum, die Angst vor der Angst aufzugeben. Ich kann meiner Angst freundlich begegnen, meiner Ohnmacht, meiner Verzweiflung und meiner Trauer. Ich habe – im Interesse meines ganzen Menschseins – ein Recht darauf, Angst zu haben, mich machtlos und verzweifelt zu fühlen, zu trauern.

Und darin die Hoffnung nicht aufzugeben, durch diese Art zu leben, zu denken, zu empfinden – mit mir selbst umzugehen – in anderen Menschen einen Funken Ruhe, Besonnenheit und Differenziertheit zu wecken. Funken, die sich zu einem wärmenden, wohlwollenden Feuer entwickeln können. Einem Feuer, an dem sich Fremde wärmen können und andere, die traurig und voller Angst sind.

Und nein: naiv ist das nicht. Es verkauft sich halt nicht so sonderlich gut. Damit kann ich gut leben.

Aber nicht alleine.

Und deshalb einen weihnachtlichen Dank an die, die auch so leben, die auch barfuß im Herzen sind, an deren Funkenschlag ich mich immer wieder neu entzünden kann und an deren Engagement ich mich wärmen kann, wenn die Lust, mir die Decke über den Kopf zu ziehen so übergroß wird.

 

Vorbilder sind wichtig

Sie kennen wahrscheinlich auch Leute, die sie so ganz klammheimlich bewundern. Die etwas können, was Sie selbst auch gerne können möchten… Mit kommt da immer das ganz altmodische Wort des „Vorbilds“ in den Sinn. Vorbilder sind wichtig – auch wenn das altmodisch klingt.

Im NLP gibt’s auch die Idee, dass man sich von anderen Leuten „eine Scheibe abschneiden“ kann – da nennt es sich halt Modeling.

Modeling fragt eigentlich immer „Wie schafft das X.“ – wie macht der das, was ich ja auch gerne gerne können würde?

Wie genau macht der seine Arbeit, wie organisiert er sich – das ist normalerweise mehr als nur eine einzelne – leicht zu erlernende Fähigkeit. Weil: Wäre es nur das, hätte ich das ja auch schon gelernt 🙂

Es ist eher ein Bündel an Verhaltensweisen, Kompetenzen, v.a. aber Überzeugungen und Glaubenssätzen, die es dem Anderen ermöglichen das zu leisten.

Und die Wahrheit aus Kindertagen gilt noch immer: Ich muss das nicht haben/können, nur weil es ein anderer hat/macht.

Aber ich kann davon lernen! Und zwar ein bisschen schneller, als ohne dieses Vorbild.

Und das meint im NLP eben der Begriff Modeling.

Am Anfang eines Modelingprozesses steht die simple Frage: Was will denn eigentlich ICH? In welcher Situation, in welchem Kontext würde ich gerne etwas anders machen – und weiß nicht so wirklich, wie das gehen soll?

Und: Wen kenne ich, der das, was ich gerne können würde, bereits tut? Im einfachsten Fall wäre das ein Kollege, ein Freund, jemand aus meinem Umfeld. Den kann ich dann einfach fragen, wie er das macht – und die meisten Menschen geben sehr sehr sehr bereitwillig Antwort darauf, weshalb sie etwas toll machen 🙂 Allerdings wissen sie es oft selber nicht so genau, wie sie es machen. Da sind eben unbewusste Strategien im Spiel, die auch meinem Vorbild noch gar nicht so bewusst sind.

Und dann gibt es da noch sogenannte VIPs, die mir tagtäglich vormachen, wie es gehen kann, die erfolgreich das tun, was sie tun. Die sind für mich allerdings ebenso unerreichbar, wie Figuren aus der Literatur, aus dem Film, aus Comics. So wirklich unerreichbar sind sie allerdings ja auch wieder nicht: Sie präsentieren sich ja meist recht öffentlich in den Medien.

Modeling meint dann eigentlich nichts anderes als: Ich guck mir sehr genau an, was die so tun und wie sie das tun – und schau mir davon etwas ab. Das ist was anderes, als ein simples „nachmachen“, das geht ja eigentlich gar nicht (genau: Ich bin ja ich und nicht ein anderer!). Es ist vielmehr ein Nachahmen, das Aneignen von etwas Fremden, so dass es mein Eigenes wird, ein Teil von mir.

Dieser Prozess hilft mir, etwas von mir zu ent-wickeln, was ich bisher noch nicht so deutlich gelebt habe.

Sie merken schon: Eine spannende Sache. Wenn Sie dazu mehr lesen möchten – auf meiner nlp-Seite finden Sie dazu einen Artikel: Viel Spaß damit, vielleicht können Sie sich ja auch von mir eine Scheibe abschneiden 🙂

sunder warumbe

Wer das Leben fragte,
tausend Jahre lang:
„Warum lebst Du?“

Könnte es antworten,
es spräche nichts anderes als:

„Ich lebe darum, dass ich lebe.“

Das kommt daher, weil das Leben
aus seinem eigenen Grunde lebt
und aus seinem Eigenen quillt,

darum lebt es ohne warum eben darin, dass es sich selbst lebt:
Sunder warumbe

Meister Eckhart

2.1 Riemann-Thomann-Modell und die Archetypen

Ich habe dieses Riemann-Thomann-Modell mit vier Archetypen verbunden und sie den Polen dieser Matrix zugeordnet.

Die Kriegerin: Das Grundbedürfnis nach Distanz

 

Die Liebhaberin: Das Grundbedürfnis nach Nähe

Das grundsätzliche Lebensgefühl der Liebhaberin ist das Vertrauen in die Welt und in die Anderen. Sie nimmt die Gemeinsamkeit mit Anderen wahr und richtet sich an den Anderen aus, orientiert sich an ihnen. Sie hofft in dieser Anpassung auf Anerkennung und Nähe, aus dem Erleben der Gemeinsamkeit findet sie Zufriedenheit und Glück. Konflikte wirken auf sie bedrohlich, stören das Gefühl der (friedhöflichen) Harmonie. Die Sehnsucht nach Kontakt treibt sie an.

Die Liebhaberin, die im Prinzip alles für andere tun würde, geht davon aus, dass andere Menschen auch so sind: Menschen kümmern sich umeinander, sorgen füreinander und sind nett zueinander. Diese Erwartung richtet sie bewusst und unbewusst an die Welt um sie herum.

Die Stärke der Liebhaberin ist ihr Einfühlungsvermögen und ihr guter Zugang zu ihrer eigenen Befindlichkeit. Sie geht auf andere Menschen zu, begrüßt sie freundlich und offen, will integrieren und will, dass sich Menschen wohlfühlen. In Gruppen fühlt sie sich wohl – und geht darin auf.

Und genau das ist ihr schwacher Punkt: Sie geht im Anderen auf, verliert sich im symbiotischen Kontakt – und deshalb tut es ihr so gut, wenn sie ich mit der Inneren Kriegerin beschäftigt und ausprobiert, ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen, um Unterstützung zu bitten und für sich selbst sorgen zu lassen.

 

Die Königin: Das Grundbedürfnis nach Dauer

Der Magier: Das Grundbedürfnis nach Veränderung