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2.1 Riemann-Thomann-Modell und die Archetypen

Ich habe dieses Riemann-Thomann-Modell mit vier Archetypen verbunden und sie den Polen dieser Matrix zugeordnet.

Die Kriegerin: Das Grundbedürfnis nach Distanz

 

Die Liebhaberin: Das Grundbedürfnis nach Nähe

Das grundsätzliche Lebensgefühl der Liebhaberin ist das Vertrauen in die Welt und in die Anderen. Sie nimmt die Gemeinsamkeit mit Anderen wahr und richtet sich an den Anderen aus, orientiert sich an ihnen. Sie hofft in dieser Anpassung auf Anerkennung und Nähe, aus dem Erleben der Gemeinsamkeit findet sie Zufriedenheit und Glück. Konflikte wirken auf sie bedrohlich, stören das Gefühl der (friedhöflichen) Harmonie. Die Sehnsucht nach Kontakt treibt sie an.

Die Liebhaberin, die im Prinzip alles für andere tun würde, geht davon aus, dass andere Menschen auch so sind: Menschen kümmern sich umeinander, sorgen füreinander und sind nett zueinander. Diese Erwartung richtet sie bewusst und unbewusst an die Welt um sie herum.

Die Stärke der Liebhaberin ist ihr Einfühlungsvermögen und ihr guter Zugang zu ihrer eigenen Befindlichkeit. Sie geht auf andere Menschen zu, begrüßt sie freundlich und offen, will integrieren und will, dass sich Menschen wohlfühlen. In Gruppen fühlt sie sich wohl – und geht darin auf.

Und genau das ist ihr schwacher Punkt: Sie geht im Anderen auf, verliert sich im symbiotischen Kontakt – und deshalb tut es ihr so gut, wenn sie ich mit der Inneren Kriegerin beschäftigt und ausprobiert, ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen, um Unterstützung zu bitten und für sich selbst sorgen zu lassen.

 

Die Königin: Das Grundbedürfnis nach Dauer

Der Magier: Das Grundbedürfnis nach Veränderung

 

Warum die Kriegerin in mir stärken?

Wahrscheinlich kennt jeder die Sorte Mensch, die, wenn sie in verantwortliche Positionen kommen, „Macht haben“ (oder glauben zu haben) ziemlich unausstehlich werden. „Hochnäsig“ oder „von oben herab“. Diese Menschen verwechseln so irgendwie Leitung und Führung mit „ich zeig euch mal, wie’s geht“ oder noch schlimmer „Jetzt zeig ich euch, wo der Hammer hängt!“.

Meiner Beobachtung nach tun das gerade Frauen, scheinbar passiv, nett und freundlich: Sie stehen nicht zu ihrer Leitungsmacht und zur Führungsverantwortung, nehmen die Rolle, die sie nun haben, nicht selbstbewusst ein, sondern verstecken sich so irgendwie hinter dieser Rolle, werden in ihrer Person, ihrer Stärke unsichtbar. Echter Kontakt mit ihnen ist dadurch schwierig. Kritik wird aus dieser – instabilen – Position heraus angstvoll abgewehrt, eigene – durchaus legitime – Bedürfnisse nach Anerkennung, Status und Gestaltungswille werden verleugnet und kommen durch die HIntertür, gerne ideologisch verbrämt („ich tu das ja nicht für mich“), und werden dadurch destruktiv.

Das ist für mich der Inbegriff nicht gelebter – oder unerlöster – Kriegerinnenenergie. Mir machen solche Menschen ein unangenehmes Gefühl – v.a., wenn sie mir in irgendeiner Art und Weise Vorgesetzte sind und ich mit ihnen zusammen arbeiten muss.

Wer den Inneren Krieger stärkt, übt sich darin, verantwortlich mit Macht umzugehen und in Entscheidungen klar und transparent zu agieren. Aufrechte Kriegerinnen entwickeln ein gutes „standing“, sind loyal ihrem Auftrag gegenüber, ihrem Auftraggeber und denen, für die sie arbeiten. Ihr Ja! ist ein wirkliches Ja! und ihr Nein! weiß, dass es ein (anderes) Ja! schützt!

Was Krieger brauchen (3 Innere Kriegerin)

Was nährt und stärkt den Krieger?

Kriegerinnen brauchen Übung und Erfahrung. In der Arbeit mit dem Schwert zum Beispiel. Aber auch in den „Kriegergeschichten“ der archetypischen und mythologischen Texte – und vielleicht auch in den spirituellen Traditionen?

Den Krieger stärkt es, wenn er seine Kriegerenergie lebt: kraftvolle, verantwortliche, klare Entscheidungen trifft, sein „Wollen“ und damit seine Aggression ausdrückt – und von Menschen umgeben ist, die das auch tun.

Sie brauchen einen Meister (den es im Außen geben kann, den es im Inneren aber sicher gibt)

Sie brauchen einen klaren Auftrag (das ist die Aufgabe der Königin), müssen sich immer wieder diesen Auftrag bewusst machen und im Kontakt mit diesem Auftrag sein (Schütze das Wertvolle, das Du bist) und die Fürsorge der Liebenden. Sie brauchen die geistvolle Ruhe des Magiers – und auch den Jahresurlaub in der Hängematte 🙂

Übungen zur Inneren Kriegerin

Die hier vorgestellten Übungen sind meist nach dem gleichen Schema aufgebaut:

framing: Das Assoziationsfeld öffnen

Die Arbeit mit der Inneren Kriegerin und dem Schwert ist metaphorische Arbeit. Die Metapher rahmt die Arbeit und bietet Deutungsansätze für das persönliche Erleben.

Das können Lieder sein, Geschichten, Zitate, Phantasiereisen/Tranceinduktionen. Sie öffnen einen Raum, der gefüllt ist mit (archetypischen) Assoziationen, mit bekannten, erlebten und erträumten, Deutungen. Daran kann jeder, der mag, teilhaben. Diese Phase ist (inhaltlich) so offen, dass nichts vorweg genommen wird, sondern vielmehr einlädt Erfahrungen zu machen – eigene – und deshalb immer auch lebensgeschichtlich geprägte –  Erfahrungen in der Metapher von Kriegerin und Schwert.

 

erleben

Handlungsorientiert zu sich selbst kommen, den Körper als das Medium des Erlebens und Erfahrung Ernst nehmen.

 

Fokussierung: Wie wirkt diese Übung auf mich/in mir? Was verändert sich? Was in mir fördert sie? Woher kenne ich das? Wo brauche ich das?

Es ist nicht nur eine kognitive Reflexion in der mentale/kognitive Deutungen zur Sprache kommen – es ist ein weiteres Wahrnehmen dessen, was durch die Übung/das Erleben in mir angestoßen wurde.

 

Austausch

erleben

Abschluss