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Mein Coach ist ein Alien

Ich sitze gerne in Cafès. Bevorzugt alleine. Besonders im Sommer, draußen. Da macht es mir ein großes Vergnügen, den Menschen zuzuschauen, die auf der Straße vorbei gehen und meinen Gedanken nachzuhängen. Ich liebe den Klangteppich, der sich aus den Gesprächen der anderen Gäste, dem Gebrumme der Kaffeemaschine und den Geräuschen der Stadt webt. Der herbe Geschmack des Kaffee Creme entspannt mich in Sekundenschnelle und lässt mich tief durchatmend zurücklehnen.

Da freu‘ ich mich an dem liebevollen und zugleich stolzen Blick der Mutter, die ihrem Baby im Kinderwagen den Schnuller in den Mund steckt und schau ein bisschen belustigt (und vielleicht auch etwas schadenfroh) dem jungen schlaksigen Mann zu, der einen riesigen Stapel Bücher balanciert und auf dem Weg in die Unibibliothek ist. Abschlussarbeit. Der hat wohl ganz schön Stress. Ein bisschen wenig geschlafen in letzter Zeit. Die Schatten unter seinen Augen sprechen Bände. Weiterlesen

Supervision tut gut!

Supervision ist gut für Menschen, die über ihre Arbeit sprechen wollen. Naja: eigentlich über sich in ihrer Arbeit.

Man sollte meinen: Das tut doch jeder sowieso! Das tut man mit Kollegen, mit Freunden, beim Abendessen mit dem Partner. Irgendwie redet man doch ständig über den Job.

Ja. Schon. Aber halt auch nicht wirklich. Oder halt anders…

Was ist denn anders, wenn ich mit meinem Supervisor über meine Arbeit rede?

Ein wesentlicher Punkt ist da schon die Schweigepflicht: Ich kann ja nicht jedem alles über meine Arbeit erzählen. Darf ich halt einfach nicht. Ein Supervisor bindet sich an die Schweigepflicht und so können da die (un)heimlichen Geheimnisse zur Sprache kommen, die ich sonst niemanden erzählen kann. Außer Kollegen, da würde das ja gehen…

Aber das ist ja manchmal ein bisschen kompliziert. Da hat jeder so seine Rolle, da ist so vieles selbst-verständlich (meint man jedenfalls…) und Betriebsblindheit ist ganz normal. Ein Supervisor versteht erst mal gar nichts. Muss er auch nicht. Da muss ich alles erst erklären und erzählen. Das ist zwar manchmal etwas anstrengend, aber andererseits ist das wichtig: Ich muss mir nämlich erst mal selbst über so einiges klar werden, bevor ich es erzählen kann.

Dabei lösen sich manche Probleme schon von alleine.

Und andere Probleme werden klarer. Und das Starke ist: Der Supervisor präsentiert mir dafür keine Lösungen! Wie sollte das auch funktionieren: Er hat ja von der Situation viel weniger Ahnung als ich: Wenn da jemand ein Problem lösen kann, dann bin ich das.

Aber was ein Supervisor wirklich gut kann, ist es gut zuzuhören und „blöde Fragen“ zu stellen – und mir zu erzählen, welche Wirkung das auf ihn hat, was ich ihm erzähle. Oft wird dadurch deutlich, wo der Hase im Pfeffer liegt.

Weil vielleicht ist das, was da knirscht im Getriebe, gar nicht mal mein Problem: Supervisoren schauen immer auf die Wechselwirkungen zwischen dem was der Einzelne tut und dem was in der „Firma“ los ist, in der gearbeitet wird – z.B. darauf, wie das was ich wirklich! will mit meinem Auftrag zusammen passt. Und ob der Auftrag überhaupt so klar ist und ich den überhaupt erfüllen kann – also der Blick auf die Rahmenbedingungen, die mir mein Arbeitgeber zur Verfügung stellt, damit ich meinen Job machen kann.

Supervision ist deshalb keine Privatsache!

Die „Firma“ sitzt immer mit im Boot – egal ob sie mir die Supervision finanziert (was sie tun sollte!) oder nicht. Supervision ist nämlich auch für sie eine Riesenchance: Wenn ich das will, bekommt sie durch die Supervision nämlich jede Menge neuer Informationen, die ihr helfen, besser zu werden.

Und außerdem: Das tut einfach richtig gut! Mit jemanden zusammen meine Arbeit reflektieren und immer mehr das tun, was ich wirklich! will ist unbezahlbar!

Coaching für die Innere Kriegerin: Streitbare Thesen

Dieser Artikel ist ein Auszug aus einem Workshop-Bericht zur Inneren Kriegerin und die Einladung zur Diskussion!

Coaching nährt die Innere Kriegerin im Coachee und „füttert“ sie mit dem, was sie braucht um zu reifen und sich zu entwickeln. Es geht auch darum, ihr Anregung und Sicherheit zu geben, damit sie sich in seinen Schattenseiten begreifen lernt und ihre Energie kultiviert.

Dazu hier ein paar Schlaglichter – mit denen ich einladen mag, mit mir in meine Werkstatt zu gehen, zu experimentieren, zu diskutieren – und neugierig zu sein, was in der Diskussion und im Ausprobieren entstehen wird. Weiterlesen

Riskante Vorleistung und absolut sinn-voll: Vertrauen

Dem Schwellentroll von Marie Gräff ist die Blogparade Vertrauen zu verdanken – und dieses Thema trifft ja mitten rein ins Kerngeschäft von Supervision & Coaching. Deshalb mag ich gerne ein bisschen nachdenken – und freue mich über Feedback und Kommentare!

Vertrauen ist für mich eine „große Sache“. Menschen, die sich mir anvertrauen, trauen mir einiges zu. Der Begriff „vertrauens-würdig“ spricht da ja Bände: Meine Supervisanden und Coachees haben Erwartungen an mich, dass ich z.B. sorgsam mit ihnen bin, sie nicht korrumpiere, sondern ihre Integrität unter allen Umständen wahre. Sie vertrauen mir.

„Vertrauen“ meint die prinzipielle Unterstellung an den Anderen, dass er es gut mit mir meint – bedingungslos.

In Coaching und Supervision stehen hohe Werte auf dem Spiel! Und diesem Wertvollen muss ich mich als Coach würdig erweisen. Keinen Vertrauens-Bruch zu begehen, gehört da dazu. Und das meint weit mehr, als die Inhalte eines Gesprächs nicht nach außen zu tragen. Meine Loyalität gilt den Menschen, die mit mir arbeiten. Verlässlichkeit und Aufrichtigkeit schützen diese vertrauliche Beziehung – von beiden Seiten.

Vertrauen ist eine riskante Vorleistung

Das Faszinierende an „Vertrauen“ ist, dass es nur dann wachsen kann, wenn man das Risiko eingeht, es zu leben: Eine vertrauensvolle Beziehung braucht Zeit um zu wachsen und braucht „Vertrauen“ als Vorleistung, damit sie gelingen kann. Und damit ist immer das Risiko verbunden enttäuscht zu werden, das Risiko, dass mein Gegenüber, dem ich vertraue hinter meinen Erwartungen zurück bleibt.

Und da fängt es an, spannend zu werden. Weiterlesen